Eine bedarfsgerechte Aufstockung für die Jugendmigrationsdienste (JMD) und Migrationsdienste für Erwachsene (MBE) ist dringend geboten!

Beim Gespräch am 27.07.2016 bei IN VIA, dem Katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit, ging es vor allem um die Finanzierung der benötigten Stellen.

Ort des Gesprächs war das Wohnheim von IN VIA in der Olgastraße. Dort finden 100 Mädchen und junge Frauen in Ausbildung einen Platz. Einer der wichtigsten Schwerpunkte von IN VIA liegt in den Angeboten für junge Migrantinnen und Migranten. 

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Ulrike Mucke, Ute Vogt, Fritz Weller und Ilona Rauschopf

Die Zuwanderungsentwicklung spiegelt sich in den Beratungszahlen in den Migrationsfach-diensten wider: So hat sich die MBE-Klientel im Zeitraum 2011 bis 2015 von insgesamt rund 100.000 auf 205.000 Personen mehr als verdoppelt, ohne dass sich die Stellenanzahl verdoppelt hätte. Die Zahl der insgesamt erreichten Personen in der MBE – inklusive der mitberatenen Familienangehörigen – stieg von rund 144.000 in 2011 auf 340.000 in 2015.

In den Jugendmigrationsdiensten stiegen in diesem Zeitraum die Beratungszahlen in den bundesgeförderten JMD von rund 66.000 auf über 91.000 junge Menschen. 

Inzwischen muss man viele Interessenten mit langen Wartezeiten auf eine Beratung von mehreren Wochen vertrösten. Grundlage sollte sein, dass sich die Förderung an der Anzahl der Integrationskurse bemisst. Darin sind sich Ilona Rauschopf und Ulrike Mucke von IN VIA sowie Fritz Weller von der Caritas einig. Fritz Weller war mit in der Runde in seiner Funktion als Sprecher des Fachausschusses Migration der Liga der Wohlfahrtspflege in Stuttgart. 

Die jungen Menschen sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Deshalb hat „jeder junge Mensch ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“ (SGB VIII § 1). Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, damit der gesetzliche Auftrag von unseren JMD Mitarbeitenden auch erfüllt werde kann. Gemeinsam müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, die jungen Menschen in ihrem Bildungsweg und ihrer gesellschaftlichen Integration zu begleiten und ihnen eine Perspektive in Deutschland zu bieten. 

Gerade auch für die sozialpädagogische Begleitung bräuchte man mehr personelle Ressourcen. Wie oft in den sozialen Bereichen gibt es eher Projektmittel als eine feststehende Regelförderung. In den Haushaltsberatungen stehe aktuell in den Planungen, dass man womöglich unter die Förderhöhe des Jahres 2014 falle. Diesem Haushaltsansatz des Bundesfinanzministeriums werden nun die SPD-Abgeordneten gegenhalten und versuchen, mit Änderungsanträgen diesen Punkt zu verbessern. Auch Ute Vogt findet, die Kürzung ist nicht akzeptabel, denn selbst, wenn gerade weniger Flüchtlinge und EU-Einwanderer kommen - diejenigen, die da sind, lösten sich ja nicht in Luft auf. Unterm Strich ist es auch so, dass durch ein erfolgreiches Case-Management (persönliche Einzelfallberatung) auf der anderen Seite auch Millionen eingespart würden.

 

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